Chronik 3!

Ortschronik der Gemeinde Sosberg

 

Vorwort von Lehrer Busch!

Diese Chronik wird als Ersatz für die im Jahre 1933 angelegte Dorfchronik angelegt. Die alte Chronik ging durch die Kriegsereignisse im Frühjahr 1945 verloren. Da alle Personen welche zu der alten Chronik einen Beitrag geleistet hatten noch leben, war der Ersatz derselben durch freiwillige Mitarbeit möglich und mir ziemlich leicht gemacht. Außer dem Inhalt der alten Chronik welcher nach Möglichkeit zusammengetragen wurde, wird die Neue durch einen Auszug aus der alten Schulchronik durch Herrn Lehrer Busch vervollständigt.

Beitrag von Lehrer Busch

Die Geschichte Sosbergs reicht wohl zurück bis um das Jahr 1000 nach Chr. Schon aus dem Jahre 1368 lag eine kurz gehaltene Dorfordnung vor. Alte Sosberger erzählen, daß in der Nähe des Dorfes in alter Zeit eine Ritterburg gestanden, in deren Schutz die erste Ansiedlung hier erfolgt sei. Wohl hat ein Wald die Benennung "Burgbüsch", und eine ihm gegenüber gelegene Bergnase auf der Mastershausener Gemarkung heißt "Burgkopf".

Eine Ritterburg aber hat auf unserer Gemarkung nie gestanden. Es befanden sich an genannten Punkten im Mittelalter vorgenannte Flieh- oder Wallburgen der Dorfbewohner, wo sie zu Zeiten der Kriegsdrangsale sich verbargen.

Sosberg gehörte im Mittelalter dem Grafen von Beilstein a. d. Mosel. Zu der eingangs erwähnten Dorfordnung von 1368, die 1690 erneuert wurde, erkannten Schultheiß und Bürger von Sosberg dem Grafen v. Beilstein als ihren obersten Grund- u. Hochgerichtsherren an und verpflichteten sich zu den herkömmlichen Abgaben. Als besondere Frondienstleistung war in dieser Dorfordnung die Einbringung des herrschaftlichen Heues von der Cänelwiese erwähnt. Die Mäher erhielten als Frühstück 2 Brote u. 2 Hauskäse.

Nach Einbringung der herrschaftl. Wiese empfing jeder Bürger 1 Fröhner Wein u. ¼ Brot. Weiter heißt es wörtlich: "An den festgesetzten 4 Tagen, Hagelfeier genannt, sollen nach beendetem Gottesdienst jedesmal Schultheiß, Bürgermeister u. Geschworene zusammentreten, und was im Quartal durch Kauf oder Verkauf oder durch Sterbefälle in andere Hände gekommen ist, den darauf fallenden Pacht dem einen ab und dem anderen zutun und aufs Kerb schneiden."

Unter Pacht ist die bekannte Zehntabgabe zu verstehen. Auf dem Anwesen Haus Nr. 9 soll nach Aussagen der Alten die Beilsteiner "Zehntschauer" gestanden haben.
 

Weitere Punkte aus der alten Dorfordnung:

Wer die Gemeindeglocke hört und nicht erscheint zahlt 3 Albus.

Wer beim Pflügen überackert soll zahlen 16 Albus.

Wer auf einem anderen Feld krautet zahlt 8 Albus.

Wer auf eines anderen Feld Steine wirft zahlt 6 Albus.

Wer nach Michaelis auf des anderen Feld wendet zahlt 4 Albus.

Feuer darf nur in verdecktem Geschirr über die Straße getragen werden bei Strafe von 6 Albus.

(1 Albus zählte wohl 8 Pfg.)

Bis annähernd 1800 war die hiesige Gegend das sogenannte "Dreiherrische Gebiet", da die Bevölkerung drei verschiedene Herren leibeigen war:

1. Churtrier

2. Beilstein - Winneburg und

3. Sponheim.

In den meisten Dörfern hatten alle 3 Herren Leibeigene. In Sosberg selbst hatte aber außer Beilstein nur Churtrier solche Untertanen und zwar 3 Familien. Doch war Beilstein auch deren Grund u. Gerichtsherr und mußten sie ihre meisten Abgaben nach dort entrichten.

An den churtrierschen Kellner auf Balduineck zahlten sie die Kopfsteuer. Zudem waren die zu Trier gehörigen Leibeigenen nach der Trierer-Bannmühle bei Mastershausen verpflichtet. Sie mußten ihren gesamten Mehlverbrauch dort mahlen lassen. Der Bannmüller leistete dafür eine Abgabe an Churtrier.

Laut Beschwerdeschrift des Müllers an die Triersche Verwaltung (Kobl. Archiv) entzogen sich um 1700 Triersche Untertanen aus Sosberg dieser Verpflichtung immer mehr.

Die Herrschaft der 2 Herren brachte öfters Unannehmlichkeiten mit sich. Heiratete ein Junge beilsteinscher Leibeigenschaft ein der trierischen Herrschaft gehöriges Mädchen, dann gehörte es nun zur Herrschaft ihres Mannes und zahlte die Kopfsteuer nach Beilstein. Deshalb wurde zu solcher Heirat erst dann die Genehmigung erteilt, wenn durch eine andere Heirat ein Beilsteiner Mädchen in das trierische Untertanenverhältnis umgeschrieben wurde, Trier somit entschädigt wurde.

Die Revolutionsarmee machte diesen Verhältnissen ein Ende. Die Cänelwiese wurde in Koblenz versteigert und ging in Privatbesitz Sosberger Bürger über. 1815 kam Sosberg mit dem Rheinland zu Preußen. Anläßlich der 50jährigen Wiederkehr dieses Tages im Jahre 1865 pflanzte die Sosberger Schule den zwischen Kirche und Schule stehenden Kastanienbaum.

Sosberg, d. 20. 1. 1946

gez. Busch

 

Beitrag von Gemeindevorsteher Christ!

Im Kriege 1870 - 71 wurden folgende Bürger zu den Waffen gerufen:

Theisen, Peter Josef und Pauly, Johann Peter.

Pauly, Flurschütze des Dorfes wurde in diesem Krieg schwer verwundet.

Nach Beendigung dieses Krieges besserte sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung zusehens. Die Auswanderungen nach Amerika, die in vorhergehenden Zeiten große Ausmaße angenommen hatten, hörten nach und nach ganz auf. Die aufblühende deutsche Industrie benötigte die überflüssigen Arbeitskräfte.

Mit dem Aufkommen künstlicher Düngemittel (Thomasmehl) erschlossen sich für die hiesige ärmliche Bevölkerung neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche konnte vergrößert werden. 50 ha Ödland oder nur als Schafweide benutzte Fläche wurden unter Kultur genommen und in Ackerland umgewandelt. Durch die Umwandlung der Weiden in Ackerland mußte vom Weidegang zur Stallhaltung des Viehes übergegangen werden. Trotz der kleinen Nachteile, die die Stallhaltung mit sich bringt, wurden die Erträge aus der Viehhaltung bedeutend besser.

Der bis dahin hauptsächlich vom Tagelohn lebende (Bevölkerung) ärmere Teil der Bevölkerung erhielt durch die Vergrößerung des Bürgernutzungsrechtes auf 1 ha Land eine bessere Existenzgrundlage. Die beginnende Mechanisierung brachte auch dem Bauer große Arbeitserleichterungen. Die ersten Dreschmaschinen kamen hier in Gebrauch. Der jahrhunderte lang verwendete eisenbeschlagene Holzpflug (Spitzpflug) wurde durch den besseren eisernen Wendepflug verdrängt.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wurde aber auch leider manche gute Sitte und alter Brauch verdrängt. Die alte bäuerliche Tracht verschwand mit dem billigeren Angebot maschinell hergestellter Stoffe. Die schöne gediegene Hunsrücker Tracht mußte der modernen Modekleidung weichen. Um die Jahrhundertwende trugen nur wenige ältere Frauen die alte Bauerntracht.

Spinnrad und Webstuhl, früher in jedem Bauernhause vorhanden, kamen allmählich gänzlich außer Gebrauch. Das gesellige und fröhliche und doch nützliche Beisammensein der weiblichen Jugend in den abendlichen Spinnstuben fand auch damit ihr Ende.

In dieser Zeit verschwanden auch die interessanten Gestalten der Vieh-, Schaf- und Schweinehirten. Das starre Holzjoch zum bespannen des Rindviehes wurde zum Leidwesen der Bauern verboten. Andere allgemein nützliche Neuerungen wurden eingeführt.

Am 28. April 1911 beschloß der damalige Gemeinderat den Bau einer Dorfwasserleitung mit Hausanschlüssen. Die Baukosten wurden zum größten Teil aus dem Erlös der Versteigerung von 5 ha Bürgerland im Distrikt Stiefel aufgebracht. In dem außergewöhnlich trockenen Sommer 1911 wurde die Quellenfassung vorgenommen.

Unter Aufsicht des Polizeibeamten und des Beauftragten des Bauamtes wurden diese Arbeiten fachmännisch ausgeführt. Dann blieb die Arbeit 2 Jahre infolge Widerstand eines Teiles der Bevölkerung liegen. Im Jahre 1914 sollten dann der Bau vollendet werden.

Bei Kriegsausbruch am 1. August 1914 war ein Teil des Baumaterials schon angefahren. Ein Teil der Ortsvertretung glaubte durch die Kriegsereignisse und Einberufung der jüngeren Männer den Weiterbau nicht verantworten zu können. Die Mehrheit des Gemeinderates entschloß sich jedoch zur Fertigstellung des begonnenen Werkes. Unter dem Gemeindevorsteher Josef Pies wurde dann im Spätherbst mitten im Krieg die Wasserleitung fertiggestellt. Mit der Fertigstellung wurde der Bevölkerung eine große Arbeitserleichterung zuteil.

Der Krieg 1914/18 brachte mancher Familie Leid und Sorgen. In der ersten Augustwoche 1914 fiel der bei der Garde dienende Johann Emmerich an der Westfront.

Im Verlaufe des Krieges starben durch Krankheit in Lazaretten folgende Soldaten:

Reuter, Franz - Sabel, Wilhelm - Lehnert, Wilhelm - Steffen, Wilhelm

Trotz aller Anfangserfolge mußte Deutschland der Übermacht unterliegen. Bis zum Jahre 1924 litt die Bevölkerung unter den Folgen des verlorenen Krieges. Die Inflation vernichtete manch sauer verdienten Spargroschen der kleinen Leute und alle Kapitalien in öffentlicher Hand. Durch den Verlust seines Barvermögens war mancher gezwungen Gelder zu hohen Zinssätzen aufzunehmen. Die landwirtschaftlichen Produkte hingegen waren billig. Erst in den Jahren 1927/28 war diese Krise überwunden.

Im Jahre 1926 wurde die Zusammenlegung einstimmig beschlossen. Dieser Tatsache war ein langer Kampf der Ortsbewohner für und wider der Zusammenlegung vorausgegangen. Die Inangriffnahme der Arbeiten wurden aber durch das Kulturamt bis zum Jahre 1934 hinausgeschoben.

Im Sommer 1934 kamen Notstandsarbeiter aus Essen und es wurde mit der Neulandgewinnung begonnen. Im Distrikt Tonhügel wurden 12 ha Wald gerodet. Unternehmer dieser Vorarbeiten der Zusammenlegung war die Firma Ernst Thomas, Würrich. Thomas hatte die Vorarbeiten für den Betrag von 19.823,-- Mk. übernommen. Im Frühjahr 1935 kamen noch neue Notstandsarbeiter aus Koblenz hinzu. Die Wiesenmeliorationsarbeiten wurden begonnen.

Im Sommer 1935 Mitte Juni gab es Feueralarm. Das Backhaus stand in hellen Flammen. Die Bevölkerung hatte durch die Vernichtung des Backhauses ihre liebe Not das tägliche Brot zu beschaffen.

Nun wurden 2 neue Backhäuser gebaut. Das zweite Backhaus wurde am Winneweg erbaut. Hierdurch wurde den Bewohnern der unteren Dorfhälfte der weite Weg zum oberen Backhaus erspart. Im oberen Backhaus wurde ein Brausebad errichtet. Im ersten Stock des oberen Backhauses wurde ein Saal für die Zusammenkünfte der Gemeinde geschaffen.

Die Wasserleitung erhielt eine Entsäuerungsanlage. Baukosten 1.400,- Mk. Durch Staatsbeihilfen wurde der Wohnungsbau stark gefördert. Auch ließ die Gemeinde im Rahmen dieser Aktion die Lehrerwohnung vergrößern und verbessern. Lehrer Busch der im Jahre 1924 nach Sosberg gekommen ist, heiratete ein Mädchen aus seinem Heimatdorf Pünderich a. d. Mosel.

Eine große Trockenheit im Jahre 1935 verursachte ein Versagen der Wasserleitung. Unter Leitung des Kreisbauamtes wurde das Quellgebiet der alten Wasserleitung der neuen Leitung zugeführt.

Die Vermessungsarbeiten zur Zusammenlegung wurden durch den Sachlandmesser Hildebrandt vom Kulturamt begonnen.

Im Jahre 1937 wurde ein neues Spritzenhaus erbaut. Dazu wurden 600,- Mk. Beihilfe gewährt. Durch Vermittlung des Kreisbrandmeisters Friedrich erhielt die Gemeinde von der Stadt Kreuznach eine Feuerspritze als Geschenk.

Die Vorarbeiten der Zusammenlegung wurden im Jahre 1937 beendet. Der Landmesser Assenmacher begann die Versteinung und Vermessung der neuen Wegenetze. Die neuen Pläne sollten den Besitzern 1940 ausgehändigt werden. Doch mit dem Ausbruch des Krieges am 1. September 1939 wurde dieses leider unmöglich. Assenmacher wurde bei Beginn des Krieges einberufen und dadurch die Vermessungsarbeiten unterbrochen.

Eine ganze Anzahl Dorfbewohner wurde bei Beginn des Krieges einberufen.

Und zwar:

Hirth, Josef, - Spengler, Aloys - Maßmann, Rudolf - Busch, Emil - Bonni, Heinrich - Weis, Franz - Decrouppè, Alfons

Nach Beendigung des Polenfeldzuges hatten wir hier im grenznahen Westen ständig Einquartierung. Mit Bangen sah die Bevölkerung den Ereignissen entgegen. Dann kam der Angriff der deutschen Armee am 10. Mai 1940. Niemand dachte an eine so schnelle Niederlage Frankreichs. Sosberg hatte bis dahin durch den Krieg noch keinen materiellen Schaden erlitten. Am 9. Juni wurden zwar 2 schwere Bomben von feindlichen Fliegern abgeworfen, doch fielen dieselben auf freies Feld, so daß nur Sachschaden entstand. Auch hatte die Gemeinde noch keine Kriegsopfer zu beklagen.

Um den durch die Einberufungen eingetretenen Arbeitsmangel zu beheben, wurden der Gemeinde französische Kriegsgefangene zugeteilt. Diese Gefangenen waren in Reidenhausen untergebracht. Im Oktober wurden diese Arbeitskräfte den Landwirten wieder weggenommen.

Das Jahr 1941 brachte Sosberg das erste Kriegsopfer. Franz Klein, Sohn von Mathias Klein fiel bei den Kämpfen um Smolensk in Rußland.

Verwundet wurden: Bonni, Willy in Griechenland, Aloys Spengler in Rußland, Bonni, Johann in Lettland.

Durch die zahlreichen Einberufungen in diesem Jahr wurde der Arbeitskräftemangel in den Landwirtschaft untragbar. Im April wurden von der Stuhlfabrik in Altstrimmig 16 Kriegs-gefangene für Sosberg und Forst abgestellt. In dem leerstehenden Lokal der früheren Wirtschaft Heinermann wurde ein Gefangenenlager eingerichtet. Da die Gefangenen bei den Landwirten gute Pflege und Behandlung hatten, waren sie meist eifrige Arbeiter. Die Arbeitskräfte wurden durch den Ortsbauernführer Petry, August dem Bedarf entsprechend verteilt.

Die Ernte war 1941 gut. Über die Vorkriegslieferungen hinaus wurden Getreide, Kartoffeln und Obst abgegeben. Diese Leistungen von den zu Hause gebliebenen Frauen und älteren Männern sind beachtlich.

Das Kriegsjahr 1942 hinterläßt blutige Spuren. Das ist bis jetzt das schwerste Kriegsjahr.

Gefallen sind:    Bauer, Herbert - Hoffmann, Hermann

Vermißte:        Weis, Franz - Decrouppé, Alfons - Lehnert, Aloys

Verwundet wurden: Linden, Franz - Pies, Peter - Bonni, Bernhard

Erfrierungen haben sich zugezogen: Lehnert, Peter - Spengler, Franz und Zilles, Aloys.

Um der größer werdenden Feuergefahr durch Abwurf von Brandplättchen und Brandbomben in etwa zu begegnen wurden zusätzliche Löschwasserbehälter angelegt. Auch wurde eine Fliegerwache auf Anordnung der Behörde für jedes Dorf eingerichtet. Auf den Speichern mußte Sand, Löschgeräte und Wasser aufgestellt werden. Bis jetzt blieb die Gemeinde von Fliegerangriffen verschont. Mit der Dauer des Krieges nimmt die Härte und Erbitterung des Kampfes zu. Auch die Unzufriedenheit unter den Menschen nimmt zu, weil das Schicksal einzelne so schwer und hart trifft.

Gefallen sind im Jahr 1943:      Reuter, Josef - Lehnert, Franz - Klein, Konrad

Vermißt sind:                           Klein, Ewald

In Gefangenschaft geriet:          Roß, Gerhard

Verwundet wurden:                 Weis, Hermann - Christ, Josef

Noch ist kein Ende dieses Ringens abzusehen. Auch die wirtschaftliche Lage verschlimmert sich. Die nötigsten Gebrauchsgegenstände sind nicht mehr frei erhältlich. Schiebereien mit Lebensmitteln, Bekleidung und Schuhwaren sind an der Tagesordnung.

In diesem Jahre stellte sich ein großer Wassermangel ein. Eine Prüfung der Leitung ergab, daß 4 Bruchstellen vorhanden waren. Nach Behebung dieser Mängel war wieder Wasser für den Ortsbedarf vorhanden. Nur eine noch nicht gefundene Bruchstelle im Quellgebiet der Wasserleitung bleibt noch zu beseitigen.

Zur Zeit kann diese Arbeit wegen Materialmangel nicht ausgeführt werden. In diesem Jahre war die Getreide- und Hackfruchternte gut. Die Ernährung ist dank des Bauern zähen unermüdlichen Arbeitswillens wieder für ein Jahr gesichert.

Mit dem Jahr 1944 gehen wir ins fünfte Kriegsjahr. Der vorjährige Rückzug aus Afrika und die diesjährige Landung englisch-amerikanischer Truppen am Kanal haben das Gesicht des Krieges vollkommen verändert. Wieder ist der Krieg näher an unsere engere Heimat herangerückt. Bisher nie gesehene Geschwader feindlicher Flieger überfliegen täglich unsere Heimat und werfen Bomben auf jahrhunderte alte Städte.

Phosphor wird tonnenweise auf Wohnstätten geworfen. Die Vernichtung ist meist eine totale. Zahlreiche Fliegergeschädigte und Flüchtlinge kommen aufs Land um hier Schutz zu suchen. Sosberg beherbergt z. Zt. 80 Fremde, welche hier Zuflucht gesucht und gefunden haben. Auf die Nachbardörfer Blankenrath, Buch und Mörsdorf wurden schon Bomben abgeworfen. Sosberg blieb bis jetzt verschont.

Im Herbst 1944 erfolgte der große Rückzug der deutschen Armee bis zum Westwall. Hier standen sich die beiden Heere noch einige Monate im Stellungskrieg gegenüber. In dieser Zeit wurden deutscherseits verzweifelte Versuche gemacht diese Stellung zu halten. Tausende wurden zum Stellungsbau eingesetzt. Aus der Gemeinde Sosberg waren bis Weihnachten 1944 ständig 4 bis 6 Mann an den Westbefestigungen beschäftigt.

Die Einsicht der Zwecklosigkeit des Widerstandes war allgemein. Doch niemand vermochte sich den damaligen Machthabern zu widersetzen. Alle Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren wurden im Volkssturm zusammengefaßt und behelfsmäßig ausgebildet.

Im Februar 1945 stießen amerikanische Truppen bis zur Mosel vor. Von Ende Februar ab hatte der Hunsrück unter dem Störungsfeuer der feindlichen Artillerien zu leiden.

Doch es war vergebens. Schon auf den Sammelplätzen zerstreuten sich die Leute, bei den Märschen liefen sie einfach in die Wälder. Der Zusammenbruch war unaufhaltsam. Jetzt galt es zu retten, war noch zu retten war. Die Familienväter wollten ihre Familien beim Herannahen des Feindes nicht alleine lassen.

Fast alle Familien hatten sich in Felsen und Schluchten kleine Unterkünfte für den äußersten Notfall eingerichtet. Das Dorf hatte in Gemeinschaftsarbeit im Weidesrech auf der Talsohle des Kleinbaches zwei alte Bergwerksstollen ausgeräumt, um bombensichere Unterkunft für Frauen und Kinder zu schaffen.

Als am 13. u. 14. März der Artilleriebeschuß immer stärker wurde, suchte ein großer Teil der Dorfbewohner die vorsorglich hergerichteten Schutzhütten im Walde auf. Doch blieb Sosberg selbst vom Beschuß verschont. Von hier aus konnte man zahlreiche durch Beschuß verursachte Brände in den Nachbardörfern beobachten.

Am Nachmittag des 16. März trafen die ersten amerikanischen Truppen von Forst kommend mit leichten Fahrzeugen im Dorfe ein. Die am Haupteingang des Dorfes befindliche Panzersperre wurde nicht geschlossen. Nur ein kleines Kommando von 30 Mann amerikanischer Truppen blieb über Nacht im Schulsaal im Quartier. Alle im Dorf befindlichen Soldaten und Urlauber wurden gefangen genommen.

Französische Kriegsgefangene und russische Zivilarbeiter waren dadurch befreit. Im Gegensatz zu anderen Gegenden benahmen sich diese Ausländer sehr anständig. Die Franzosen blieben freiwillig noch einige Wochen, die Russen sogar mehrere Monate auf ihren alten Arbeitsstellen.

Im Sommer 1945 wurde unser Gebiet von den Amerikanern geräumt und von den Franzosen besetzt. In Mastershausen lag eine Batterie. Mitte August kam ein französischer Soldat durch Jagdunfall in Mastershausen zu Tote. Wegen Mordverdacht sah sich die französische Behörde zu Maßnahmen gegen die Zivilbevölkerung veranlaßt. Eine Durchsuchung nach Waffen wurde sofort in Mastershausen und Sosberg durchgeführt.

Wider Erwarten wurde hierbei ein Gewehr mit Munition gefunden. Durch diese Tatsache in ihrer Annahme bestärkt, wurden sofort 10 Geiseln nach Blankenrath abgeführt.

Folgende jungen Männer waren damit einer großen Gefahr ausgesetzt:

Franz Kölzer, Josef Christ, Josef Schug, Peter Hoffmann, Hermann Weis, Peter Pies, Alfons Bauer, Reinhold Klein, Peter Haberkamp, Franz Spengler.

Die Angehörigen und das ganze Dorf waren in Sorge um die Verhafteten. Erst nach drei Wochen nach Aufklärung des Unfalles wurde eine bedingte Haftentlassung ausgesprochen. Eine wöchentliche Meldung bei der Besatzungseinheit in Blankenrath wurde noch monatelang verlangt. Die Besatzungstruppe machte von ihrem Requierungsrecht nur mäßigen Gebrauch.

Das Dorf mußte während des Sommers im Durchschnitt 1 - 2 Stück Vieh abgeben. Das Brotgetreidesoll wurde mit 362 Zentnern restlos erfüllt. An Heuabgabe wurde dem Dorf 130 Zentner auferlegt, Hafer 305 Zentner. Zirka 1000 Zentner Kartoffeln wurden abgeliefert. Weil die künstlichen Düngemittel in diesem Jahre fehlten, war die Getreideernte gering. Die Hackfruchternte dagegen war gut, Klee und Heuernte ebenfalls.

Die meisten Soldaten sind im Laufe des Sommers aus der Gefangenschaft zurückgekehrt. Bis jetzt fehlt noch jede Nachricht von:

Petry, Josef - Haberkamp, Josef - Decrouppé, Alfons - Weis, Franz und Lehnert, Aloys

Möge das kommende Jahr allen eine glückliche Heimkehr bringen.

Dem, der in Zukunft diese Chronik führt, wünsche ich erfreulichere Ereignisse melden zu können.

Sosberg, d. 27. 1. 1946

gez. Christ

 

1946

Mit dem Jahre  1946  trat eine politische Wendung in der kommunalen Verwaltungsform ein. Nach dem Zusammenbruch des dritten Reiches konnten unbelastete Verwaltungsbeamte in ihrem Amt verbleiben, andere wurden vorläufig kommissarisch ernannt.

In Sosberg durfte der Ortsbürgermeister in seinem Amt verbleiben, weil er nicht der N.S.D.A.P. oder einer seiner Gliederungen angehörte. Es verdient überhaupt hervorgehoben, daß das Dorf Sosberg den Einrichtungen des dritten Reiches konservativ gegenüber stand und einschließlich der Beamtenschaft keine Mitglieder der N.S.D.A.P. beherbergte.

Am 26. 1. 1946 wurde die erste Volkszählung in der französischen Besatzungszone durchgeführt. In Sosberg sind noch eine Anzahl evakuierte aus den zerstörten Städten des Ruhrgebietes und vornehmlich aus Koblenz.

Im Laufe des Sommers wurde die Bildung politischer Parteien von der Militärregierung gestattet. Im Zuge dieser Neuordnung entwickelte sich in Sosberg unter Führung des Ortsvertrauen-Mannes, Alois Diederichs, die erste aktive politische Partei, die christliche demokratische Volkspartei. Als die Kommunalwahlen für den 15. 9. 1946 festlagen, stellte diese einzige Partei einen Wahlvorschlag auf.

Seit dem dritten Reich konnten jetzt wieder alle Wahlberechtigte, frei von politischem Einfluß ihre Entscheidung treffen. Nach wiederholten Wahlgängen wurden als Wahlvorschlagskandidaten aufgestellt:

Kölzer Heribert, Lehnert Jakob, Lehnert Bernhard, Weiß Hermann, Hirt Josef, Spengler Alois.

Am 15. 9. 46 fand in dem hiesigen Schulgebäude die offizielle Gemeinderatswahl statt. Obschon örtlich versucht wurde, einige Kandidaten durch andere zu ersetzen, wurde doch der Vorschlag mit großer Stimmenmehrheit gewählt.

Am 22. 9. 46 wählte der Gemeinderat den Ortsbürgermeister. Mit fünf gegen eine Stimme wurde im ersten Wahlgang Spengler Alois zum Ortsbürgermeister gewählt.

Kurze Zeit nach der Übernahme der Ämter faßte der Gemeinderat einen Beschluß, wonach das Lagern der Rüben an den Straßengräben vom Ortseingang bis zum Friedhof verboten würde. Die Reinigungsarbeiten an dieser Straßenstelle wurden im Herbst 1946 begonnen. Im Herbst 1946 wurde das Umlegungsverfahren von Nikolaus Lehnert und dem Ortsbürgermeister wieder ins Werk geleitet. Im Gegensatz zu den früheren Bemühungen entstand im Dorfe keine Gegenströmung mehr.

Die Ernteverträge waren im Hinblick auf die geringe Kunstdüngerzuteilung noch sehr befriedigend. Das Dorf hat ein Getreideablieferungssoll von 400 dz Brotgetreiden und 200 dz Hafer, Raps 18 dz, Kartoffeln 1765 dz.

Von Mai 1945 bis 1. Januar 1947 hat das Dorf 300 dz Schlachtvieh abgeliefert. Die Leistungen der Bauern sind mit diesen Zahlen bis aufs äußerste angestrengt. Die Requirierungen der Besatzungstruppen waren Anfang 1946 so umfangreich, daß zu einem Termin jedes Haus ein Bettuch oder ein Bettlaken abgeben mußte. Später ließen die Requisitionen mehr nach.

Im Jahre 1946 kehrten aus der Kriegsgefangenschaft heim:

Spengler Paul - Haberkamp Eduard - Zilles Alois - Nikolay Josef- -Haberkamp Alois.

Am 13. Oktober 1946 fand im hiesigen Schulgebäude die Kreistagswahl statt. In Sosberg wurde eine Stimmabgabe mit 100% für die C.D.U. erzielt. Es wird hervorgehoben, daß zum ersten mal ein Sosberger Bürger, der Ortsvertrauensmann Alois Diederichs als Kreistagsmitglied aufgenommen wurde.

Sosberg, den 26. Januar 1947

gez. Spengler Alois

 

Chronikführung 1947

Das erfreulichste Zeichen des Jahres 1947 ist die Tatsache, daß das Kulturamt Simmern die Umlegung wieder in Angriff genommen hat. Von Seiten der Gde. wurde der Antrag gestellt, daß der Krs. Zell die Straßenführung Reidenhausen Sosberg übernimmt, und vom Ort Sosberg bis zur Einmündung an der Schloßruine Balduinseck eine neue Straße erbaut. Die Linienführung derselben sowie Provilaufnahme ist bereits durch das Kulturamt Simmern geschehen. Während des ganzen Sommers waren zwei Landmesser hier tätig. Verköstigt wurden sie in der Gde. im Rundgang.

Als besondere Leistung muß die Renovation unserer Dorfkapelle hervorgehoben werden. Ein sehr fähiger Pater aus Ravengiersburg , H. H. Pater Dr. Mols gab den ersten Anlaß dazu. Mit Begeisterung wurde das Unternehmen aufgegriffen und von der gesamten Ortsbevölkerung unterstützt. Kirchengemeinde und Zivilgemeinde ergänzten sich gegenseitig. Weil durch die Inflation keine Materialbeschaffung ohne Gegenleistung von Lebensmitteln möglich war, brachte die Bevölkerung erhebliche Mengen an Lebensmittel in freiwilliger Spende auf.

Im Zuge dieser Renovation wurde ein neuer Altar erbaut, das Chor wurde um vier Stufen gehoben, zwei Chorfenster wurden, weil das Chor zu hell war zugemauert, die Sakristeitür eingang versetzt und dem Heizungskamin mußte eine andere Führung gegeben werden.

Weil die Orgelempore zu klein war wurde sie um 1,70 m vergrößert. Am Kircheneingang wurde ein Vestibül vorgebaut, dem auch der Kirchenvorplatz ebenbürtig gemacht wurde. Zum großen Leidwesen unseres Herrn Lehrers mußten dem Kastanienbaum zwischen Kirche und Schule die Krone zur Hälfte abgeworfen werden.

Der Tabernakel an unserem neuen Altar, der wohl als einen der schönsten in der ganzen Umgebung anzusprechen ist, wurde eigenhändig von H. H. Pater Dr. Mols, der noch den Beruf als Feinmechaniker erlernt hat angefertigt. In der Hauptsache besteht er aus Kupferblech. Zur Verzierung des darauf befindlichen Kreuzes opferten edle Jungfrauen des Dorfes ihre Edelsteine. Der alte Beichtstuhl wurde auch durch einen neuen ersetzt.

Nach dieser Anstrengung hat die Zivilgemeinde für die Kapelle noch eine neue Orgel erstanden. Großen Dank ist der Ort dem verdienstvollen Bauleiter, der sich als Geistlicher nicht gescheut hat, überall wo es fehlte selbst mit anzugreifen, dem hochwürdigen Herrn Pater Dr. Mols schuldig.

Als seltenes Fest feierten die Eheleute Math. u. Anna Justen im Sommer ihr Diamantenes Hochzeitsfest. Die Dorfbewohner nahmen an der Feier großen Anteil.

Der Winter 1946 - 47 war äußerst kalt, ihm folgte noch ein trockener Sommer. Von Mai bis Oktober hat es außer einem Hagelgewitter im Juli nicht mehr geregnet. Die Durchschnittstemperaturen lagen im Sommer über 50 °. An verschiedenen Tagen hatte auch der Hunsrück Tropentemperatur. Die Wasserleitungen der Umgebung haben schon zeitig versagt.

Die Sosberger hat sich so ergiebig gezeigt, daß sie bis zum halben August voll lief und von da an wurde die Leitung während den Mahlzeiten noch geöffnet. Dem Ort reichte das Wasser aus.

Trotz großer Trockenheit mußte der Ort 2334 Ctr. Kartoffeln abliefern. Infolge der schlechten Ernte mußte das Kartoffelsaatgut bis zu 80 % mit abgeliefert werden. Trotz der großen Geldschwemme erhalten die Bauern nur 2,80 pro Ctr.

Die franz. Militärregierung forderte die festgesetzte Menge mit aller Strenge. Die Aufbringung dieser Menge war so schwierig, daß für einen Rest von 24 Ctr. jeder Familienvorstand auf dem Rathause solange eingesperrt werden mußte, bis sie sich bereiterklärten die 24 Ztr. noch zu liefern.

Im vergangenen Jahre gab die Gde. 409 Ztr. Schlachtvieh ab. Die Forderung der Militärregierung für Wäsche u. Gebrauchsgegenstände haben nachgelassen.

Sosberg, den 2. II. 1948

 

Beitrag von Ortsvorsteher Kölzer!

1948!

Im April 1948 heiratete der bisherige Ortsvorsteher Spengler nach Gösenroth, Krs. Bernkastel, und an seiner Stelle übernahm der 1. Beigeordnete Herbert Kölzer die Leitung der Gemeinde.

Die Umlegungsarbeitgen standen den ganzen Sommer über im Hauptinteresse des ganzen Dorfes. Ständig waren 2 - 3 Vermessungsbeamte mit einem Stab Meßgehilfen in der Gemarkung tätig. Bis zum Ende des Jahres waren die Arbeiten im großen ganzen soweit vorgetrieben, daß für Herbst 1949 mit der neuen Planausgabe zu rechnen ist. Im Herbst wurde auch mit der Anlegung der neuen Feldwege, (im Zuge von Gemeinschaftsarbeit) begonnen und schon ziemlich weit gefördert.

Im Herbst stand noch ein anderes Ereignis im Vordergrund, nämlich die Wahlen zur Gemeindevertretung, Amtsvertretung u. Kreisvertretung. Zur Gemeindevertretung wurde von der C. D. U. ein Wahlvorschlag eingereicht.

In der letzten Nacht vor der Wahl wurde zwar versucht Störungsfeuer zu legen, aber ohne Erfolg. Der Wahlvorschlag wurde nach gewissen Neugruppierungen mit großer Mehrheit am Sonntag den 14. Nov. gewählt.

Der Gemeindevertretung gehören für die Dauer von 4 Jahren an:

Kölzer Herbert, Diederichs Aloys, Lehnert Bernhard, Ernst Wilhelms, Christ Jos., Linden Franz, Daniels Kasper.

In der 1. Dezemberwoche wurde in Gegenwart von H. Amtsbürgermeister Mentgen, der bisherige 1. Beigeordnete Herbert Kölzer zum Ortsbürgermeister gewählt, und zwar mit 6 gegen 1 Stimme.

Auch das Jahr 1948 brachte für unsere Gemeinde manche harte Ablieferung, da die Zwangswirtschaft zwar gelockert aber noch nicht aufgehoben ist. Am schwersten war immer noch das Vieh- und Brotgetreideliefersoll. Beide wurden 100 % erfüllt.

Im Laufe des Jahres kehrten auch eine ganze Anzahl aus Kriegsgefangenschaft heim. Leider ist aber bis zur Stunde eine noch größere Anzahl von Gefangenen u. Vermißten nicht zu Ihren Familien zurückgekehrt. Hoffentlich wird auch ihnen im neuen Jahre die lang ersehnte Heimkehr gestattet.

Eines Ereignisses muß zum Schluß auch noch Erwähnung getan werden, nämlich der am 21. Juni erfolgten Währungsreform.

Sosberg, den 1. 4. 49   gez. Kölzer

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