Chronik 1!

Dies ist ein Beitrag von Richard Theisen (Pehennesse Richard), Kobl.-Lay, (ehem. wohnhaft in Reidenhausen), der das "Gemeinde Klatsch-Buch" beim Landeshauptarchiv in Koblenz abgeschrieben und den Sosbergern zur Erstellung einer Chronik durch Herrn Werner Geisen, Blankenrath, zur Verfügung gestellt hat.

VS: Gemeinde Klatsch – Buch

RS (in schlichter Schnörkelschrift): Dieses Buch ist der Gemeinde Sosberg. 1831. Zirwes – Schöffe

Fundstelle: LHA 655,100, Nr. 1

Aus dem Inhalt

Anm: Die damals willkürlich gewählte Groß-/Kleinschreibung, und die Zeichensetzung wurden weitgehend der heutigen Schreibweise angepaßt.

## Gemeine Polizeyordnung des Dorfes Sosberg, welche auß einer Walten von ihrer Gnaden, dem Freiherrn Gerlach von Winneburg und Beilstein, den 18. Mai 1368 bestättigten Gemeindte Sosberg Ordnung herausgezogen und durch mich, Johannes Knechts, jünger, Schulthes zu Sosberg, mit Bewilligung und in Gegenwart der gantzen Gemeind und Bürgerschaft beschrieben und erneuert. Sosberg, den 9.ten Tag Octobris 1690.

In Gottes Namen Amen

Kundt offenbar und zu wissen sey hiermit jedermänniglich, daß demnach ein zeitlang durch das betrübte und zerstörliche Kriegswesen allhiesige Einwohner des Dorfes und Gemeindt Sosberg nicht allein in Unordnung gewesen, sondern soweit leider gekommen, daß ein Nachbar dem anderen fürsätzlicherweiß in Abätzung (Anm.: Abweidung) der

Þ lieben Frucht Wiesen und anderswo, der natürliche Bittigkeit und dem alten Herbringen zuwider unleidtbaren Schaden zugefügt. Damit aber zuförderst die Allerhöchste Ehr Gottes befördert, unser gegenwärtige Herrschaft underthänigst huldigster Gehorsam geliefert und ein jeder Nachbar das seinige in Ruhe erhalten und genießen möge, so seindt zu dem Endt heut zu undten benanntem dato Schultheis

Þ Bürgermeister, Geschworene und sämtliche Nachbarschaft daselbsten zusammengetreten umb einer gemäßer Polzeiy, wie es in ein und andern, und daß bey namhafter Strafen sie künftig gehalten werden solle.

Und fürs Erste sollen die Vorsteher dieser Gemeindten mit allem Ernst danach trachten, damit die Gebote fleißigst gehalten, die liebe Jugend zu Schüler nach Möglichkeit

Þ eingeführt und in allen christlichen Tugenden auferzogen werden.

Zweitens so viel die gnädige Herrschaft betrifft, erkennen wir Fürstherr und sämbtliche Einwohner einen Herrn zu Beilstein für unseren Landesgrund-, Ober- und Hochgerichtsherren, so über Halz und Bauch zu richten, dem wir auch die schuldigen Pächte, Zinß und andere Gefelle und Pfron und Diensten wie von alters zu praesentieren undt

Þ zu liefern schuldig seindt. Benebens weiß ein jedweder Hindersässiger seiner Leibsherrschaft zu thun verpflichtet.

Drittens, wann die Zeit vom Jahr kombt, daß die Herrschaftliche Wiese, die Kendelwieß genannt, zu machen befohlen wird, so ist ein jeder Einwohner zu erscheinen schuldig und die Arbeit tunlichst nach seinem Vermögen zu verrichten, welcher aber ungehorsambst ausbleibt, ist der Gemeindt auf Straaf

Þ verfallen - 12 Albus. Dieses gebührt der Gemeindt: über das Mehen 2 Brodt und 2 Hausmacher Keeß, und so selbige Wies gemähet ist, so gebührt der Gemeindt abermahl oder jedem Unterthan ein Fröhners (Anm.: Fronarbeiter) Portion ahn Wein und Brodt, nehmlich einen Zinnenbecher Wein und den 4ten Teil vom Laib Brot, desgleichen mit dem Heumachen.

Wann der Bürgermeister die Klock geläudet, solle jeder, entweder Bürger

Þ selbst, die Frau im Haus oder eine bewährte und verständige Person alsbald der Klocken zu folgen schuldig sein - bei Straaf 6 Albus.

Wann nun das herrschaftliche Heu dürr gemacht, hat es seine ebenmäßige Beschaffenheit mit dem Wegführen, worzu ein jedt von der Einwohner, er seyn mit Viehbespann oder nit, verbunden - widrigenfalls der Gemeinde wegen dies Ungehorsams mit Straaf verfallen seyn. ##

## Þ Sester Frucht mit acht Albus wie von alters bräuchlich zu bestrafen, welche Straf die Gemeindt (weilen der Bürgermeister für die ganze Strafsumma bei gnädigster Herrschaft einzustehen schuldig) hat zu betrinken und der Schultheis nach Beschaffenheit der Sache und Bittigen mäßig die Exekution zu thun hat.

So oft und vielmals die Nothdurft (Anm.: Notwendigkeit) erfordert, daß der Bürger zur Gemeindt die Klock läutet, ist ein jeder Bürger so einheimisch und so nahe vorhanden, daß er die Klock hört, zu erscheinen schuldig. Bei Straaf alle und jedesmal 1- Albus. Und soll der Bürgermeister im Anfang seines Jahres machen und einem jedwedten seine Partes (Anm.: Anteil) darauf schneiden, und solle das Kerb alle und jedesmal sooft er die Klock läutet, bey die Gemeindt bringen. Und welcher der Klocke nicht pariert oder zu langsam kom-

Þ met, dem sollte der Bürgermeister gleich im Angesicht der Gemeindt aufschneiden, und solches Kerb zu Ausgang seines Jahres zu berechnen schuldig.

Welcher Bürger aber für seine Person zur Gemeindt läuten lasset, ist der Gemeindt zu zahlen schuldig - 1 Albus. Wann aber einer durch die Gemeindt Haussuchung thun lasset, selbiger ist der Gemeindt zu zahlen schuldig - 1 Albus.

Þ Undt wann einer bei versammelter Gemeindt einer den anderen heißet lügen, solcher ist in Straaf verfallen mit 6 Albus.

Und weilen eine Gemeindt allzeit für ehrbar zu halten, dahero solle sich auch ein jeder Gemeindtsbürger redlich Frohnen, aufrichtig und sich gegen seinen Nachbar getreu verhalten, sich vor Hader und Zank, für gotteslästerige Flüche, schänden (Anm: schännen = schimpfen) und Schmähen verhüte, bei Straf der Gemeindt - 12 Albus mit Vorbehalt herrschaftlichen Frevels.

Þ Folget nun, wie es mit dem Viehe gehalten werden solle.

Wann einer fürsätzlicherweiß oder muthwilligen Schaden mit seinem Viehe thut, selbiger solle der Gemeindt 6 Albus von einem jeden Vieh zu Straf geben, und auch denjenigen, welche den Schaden gelitten, selbigen kehren oder contentieren.

Þ Wann sonsten einer dem anderen schaden thut mit dem Vieh, welches nicht mit aufsetzlicher (Anm.: aufsässiger) Weis geschieht, selbiger solle der Gemeindtt von jedem Viehe zur Straf geben 1 Albus.

Wan einer sein Vieh morgens, ehe die Herdte dem Hirten vorgetrieben wird, aus seinem Stall laßet und abendts, wenn das Vieh nach Hause kommt und selbiges Vieh nicht in den Stall treibt, dar

Þ durch er seinem Nechsten schaden könne thun, alle und jedesmal von jedem Vieh zur Straf geben 1 Albus.

Ein jeder Bürger sollte Macht und Gewalt haben, 40 Stück Schaaf zu halten, aber mehr nit. Welcher aber mehr Schaaf, wan sie in das Kerb geschnitten worden, halt, selbiger soll alsdann von jedem Schaaf 6 Albus geben zur Straaf.

Þ Diese Gemeindt hat die Freyheit, daß keinem Herrn ein zehndes Lamb zu entrichten schuldig ist.

Niemand soll auch ein Kindt mit der Herdvieh schicken, bis es bei dem Herrn Pastor besteht und einmal zur heiligen Communion gegangen ist. Wann aber einer zuwider thut und selbigen tags einige Viehe verloren wird, soll der selbige Bürger

Þ seinen Nachbarn den Schaden helfen bezahlen, nämlich der Bürger die Halbscheidt.

Es sollen auch künftig, wann die liebe Früchte im Feld stehen, ein Schützengang gehalten werden. Auf der Schützen Gang sollte von einem zum anderen gehen, und wann der Schütz Vieh im Schaden sehet, so soll er selbiges

Þ gleich austreiben, und abendts soll der Schütz dem Bürgermeister solches verzehlen, und alsdann im Angesicht des Schützen die Straf auf das Kerb schneiden und keinem Unrecht tun. Wann der Schütz ein Vieh im Schaden sehet und nicht austreibt, solches soll der Schütz nicht vorbringen, jedesmal ein Vieh zur Straaf geben - 1Albus.##

## Þ April gehütet werden, wann die andere Gemeindt auch von dem Tag ahn, diese Gemeinweyd hüthet. Wann dieses aber nicht geschehet, so solle Sosberg gleich den anderen Gemeindten diese Wiese auch solang betreiben lassen.

Viertens hat die Gemeindt Sosberg mit den Forsterhöfen sich verglichen, daß acht Tag vor Maytag

Þ die zweiweidige Bachwies, der Nogelsbach genannt, gehütet werden solle, welches allein zur Nachricht allhier angeschrieben.

Folget wie die Führwege und Fußpätte sollen instandgehalten, die neue schädtlichen Wege aber abgeschafft werden.

Die alten Führwege und alte Fußpätte sollen durch Schultheisen

Þ undt die Gemeindt alle Quartal besichtigt und beständig gangbar gemacht werden. Allwo ein ordentlicher alter Fuhrweg ist, daselbst ist verbotten, neben diesem Weg durch Privatgüter zu fahren. Desgleichen alle alte Fußpädde ordentlich zu denen Wiesen, Feldern und Gärten gantz gangbar und Brücken offengehalten werden sollen. Welcher alsdann neben dem Fußpaddt gehet, soll 1 Albus Rügegeld geben.

Þ Welcher mit dem Wagen die Fuhrweg nicht haltet, solle derwegen nebst dem Schaden geben 3 Albus. Worüber jedoch zu fahren um Früchten und Besserung auszuführen, ein alter Gebrauch ohne Schaden des Nachbarn gewesen, dieser solle gehalten werden. Sodann sollten Schultheis, Bürgermeister und Gemeindt Sosberg durch deren Forster Bannhecks Wiesen nit wagen zu fahren undt

Þ sonsten Schaden zuzufügen verschonen, weilen vor diesem keinen allgemeinen Weg der Orthen gehabt, außerhalb der Heu- und dergleichen Notfuhren, dahero die Sosberger ihren eigenen Fuhrweg zur Führung ihres Holz und dergleichen allzeit zu machen schuldig.

Item sollen der gemeine Fuhrweg und Fußpätt mit solchem Fleiß alle Quartal ausgebessert

Þ werden, daß jeden Eigentümers Wiesen, Felder und Garten verschonet bleiben können. Allwo aber keine Fuhrweg und Fußpadd bey- weder nahe seyn, soll man die alten Notfahrten umb In- oder auß der Gemeindten in sein Eigengut zu kommen richtig halten und folgen.

So ist auch von der gnädigen Beilsteinischen Landesgerichts- und Grundherrschaft bei Sosberg allen Ernst ahnbefohlen

Þ daß in denen Korn- und Habersaaten an einem Endt gemeiner Handt ahngefangen werden sollte, und welcher dieser Verordnung nicht getreulich nachlebet und langs sein Feld fahret und vorbeigehet und außer der Ordnung säät, solle der Gemeinde drei Albus Straf geben und darneben den Schaden gutmachen.

Þ Mit dem Haber scherren oder Binden hat es gleiche Beschaffenheit. Da sollen Bürgermeister und Geschworene in die Flohr gehen und selbige besichtigen. Wan es erkannt wird, daß sie Zeit scherres oder Bindes seyn, so solle solches der Gemeindt vorgehalten werden und alsdann bei versammelter Gemeindt bestimmt werden, wann das Scherren erlaubt

Þ wird. Welcher aber vor bestimmter Zeit Haber scherrt, soll der Gemeindt zur Straf geben 12 Albus.

Wan aber einer ein Feldt hat, welches an der Viehtrift liegt, wo ein Schaden oder Unlust gelitten wird, der aber solche Haber vor bestimmter Zeit scherren oder binden will, selbiger solle ahn den Bürgermeister Urlaub (Anm.: Erlaubnis) begehren.

Wie auch wann der Beilsteinische Schultheiß und Bürgermeister einen Bürger oder mehrere Bürger beschieden zu kommen für sich berufen, sollen sie also bald gehorsamb sein und erscheinen, wann Einheimisch seyndt. Im Umgehorsamß- und Ausbleibungsfall aber soll der Ohngehorsame der Gemeindt mit drei Albus verfallen seyn.

Item: Wenn der Beilsteinische Landesschultheiß und Bürgermeister vor versammelter Gemeindt aufklopfet, sollen alle still seyn und gehorsamlich ahnhören und folgen was gesaget und Verbotten oder sonstigen Zuthun gevordert wird. Sonsten der Ohngehorsambe der Gemeindt mit drei Albus verfallen sein.

Item: Wird weiter von Beilsteinischer Landesobrigkeit zu Sosberg zu Festhaltung der Gemeindeordnung aller Ernst anbefohlen, daß der Beilsteinische Schultheiß und Bürgermeister mit denen Geschworenen nahmens der Gemeinde all diejenige, welche fehlbar daß Jahr durch befunden, pfänden und exequieren, sodann solche Gelder zum Nutzen der Gemeinde Sosberg wohlanwenden und verrechnen sollen. Und weilen etliche Bürger zu Unterhaltung deren Schornsten, Hausdächern, Schauern und Stallung sehr sauhmselig und durch Nachlässigkeit verfallen lassen, deß sollen Schulheiß, Bürgermeister und Geschworene alle viertel Jahr alles besichtigen und zur Verbesserung zum ersten Mahl anmahnen, hernach aber im Säumnißfall sechs Albus geben solle.

Þ Sollte aber ein Schaden daraus entstehen, selbiger dafür zu verantworten schuldig. Und dieses gebührt der Gemeinden, wenn selbiges geliefert wird: wie von alters Hausmannskosten und Trincken.

Folgt nun, wie mit denen Herrschaftliche Pächte jährlich zu liefern gehalten werden solle.

Weilen nun von alters zukommt, den ersten Samstag nach einer jeden der 4 Hochzeitlichen Festtägen (Hagelfeyer genannt )

Þ ein gemeinen Tag nach verrichtem Gottesdienst gehalten worden, alsdann solle alle und jedesmahl Schultheis und Bürgermeister und Geschworene zusammentreten, und wann etwas das Quartal über an Güter sich verändert entweder durch Kauf oder Verkauf oder durch Tauf- oder Sterbefälle in andere Hände gekommen, alsdann der darauf haftende Pacht einem ab- und dem anderen zugethan und aufs Kerb. ##

ohne Zuordnung

## Die Pacht zu Beilstein auf dem Schloß.

Daß einer jeder nach seiner Ordnung wann es an ihm ist, dazu sein. Oder kost ihm ein Kopstück Straf. Und die Gemeindt soll beisammenbleiben bis daß geliebert ist. Welcher nicht da ist, der soll auf 8 Albus Straf sein.

Verkündt und zu wissen, aber welche Pacht dahier zu Sosberg in die Schauer zu liebern hat, daß ein Jeder wie die Ordnung an ihm ist, da sein muß. Oder ein Kopstück Straf.

Und die... undt bei der Gemein zu verbleiben, biß daß alles vollent ist.##

 

Begriffliche Erläuterungen

1) Der Schultheiß vertrat in der Gemeinde die Belange der Landesherrschaft. Sein Amt, in das er meist auf Lebenszeit berufen war, versah er unter der Aufsicht des kurfürstlichen Amtmanns. Der Schultheiß übte auch die einfache Gerichtsbarkeit im Dorf aus. Er führte den Vorsitz im dörflichen Schöffengericht, dem

2) als Beisitzer eine Anzahl sogen. Geschworener (Schöffen) angehörten.

3) Der Bürgermeister war für die gemeindlichen Aufgaben und Belange zuständig. Er stand der Gemeinde vor (Vorsteher). Das Amt des Bürgermeisters wechselte üblicherweise jährlich.

4) Albus = Weißpfennig, 24 Albus, später ergaben einen Rheinischen Gulden. Kopfstück =

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